Ein Index fasst mehrere Aktien zu einer Kennzahl zusammen. Damit stellt sich sofort die Frage, mit welchem Anteil jede einzelne Aktie in diese Kennzahl eingeht. Genau das regelt die Gewichtungsmethode. Sie ist eines der wichtigsten methodischen Merkmale eines Index, weil sie bestimmt, welche Werte den Indexstand stark und welche ihn nur schwach beeinflussen. Zwei Ansätze sind besonders verbreitet: die Preisgewichtung und die Kapitalgewichtung.
Preisgewichtung: der Kurs bestimmt das Gewicht
Bei einem preisgewichteten Index richtet sich das Gewicht einer Aktie allein nach ihrem Kurs. Eine Aktie mit einem hohen Kurs hat automatisch ein größeres Gewicht als eine Aktie mit einem niedrigen Kurs, unabhängig davon, wie groß das jeweilige Unternehmen tatsächlich ist. Diese Methode ist historisch und rechnerisch einfach, führt aber zu einer besonderen Eigenschaft: Ein Unternehmen kann trotz geringer Marktgröße stark auf den Index wirken, nur weil seine Aktie einen hohen Kurs hat.
Die Folge ist, dass ein preisgewichteter Index nicht unbedingt die wirtschaftliche Bedeutung der enthaltenen Unternehmen widerspiegelt. Er misst eine Größe, die vom nominalen Kurs abhängt, und dieser Kurs ist auch von Faktoren wie der Zahl der ausgegebenen Aktien beeinflusst. Für das Verständnis ist wichtig, dass die Preisgewichtung eine Konvention ist, keine Aussage über den Wert eines Unternehmens.
Kapitalgewichtung: die Marktgröße bestimmt das Gewicht
Bei einem kapitalgewichteten Index richtet sich das Gewicht nach der Marktkapitalisierung, häufig bezogen auf den frei handelbaren Streubesitz. Größere Unternehmen erhalten ein höheres Gewicht als kleinere. Diese Methode bildet die am Markt verfügbare Größe der Unternehmen ab und ist heute bei vielen bedeutenden Leitindizes verbreitet. Der deutsche Leitindex und zahlreiche internationale Indizes folgen dieser Logik, was sie strukturell vergleichbar macht.
Die Kapitalgewichtung hat eine intuitive Begründung: Wenn ein Index den Markt abbilden soll, ist es naheliegend, größeren Unternehmen mehr Gewicht zu geben. Zugleich entsteht dadurch eine Konzentration, weil sehr große Unternehmen einen erheblichen Anteil ausmachen können. Um diese Konzentration zu begrenzen, sehen viele Regelwerke Kappungsgrenzen vor, die das maximale Gewicht eines einzelnen Mitglieds beschränken.
Warum Kappungsgrenzen eingezogen werden
Eine Kappungsgrenze verhindert, dass ein einzelnes sehr großes Unternehmen den Index dominiert. Erreicht ein Mitglied das festgelegte Höchstgewicht, wird der überschießende Anteil rechnerisch auf die übrigen Mitglieder verteilt. Solche Grenzen sind ein methodisches Werkzeug, das die Aussagekraft eines Index erhält und ihn robuster gegenüber Einzelentwicklungen macht. Sie zeigen zugleich, dass die tatsächliche Zusammensetzung von der reinen Marktgröße abweichen kann.
Warum die Methode das Verhalten prägt
Zwei Indizes, die dieselbe Gruppe von Unternehmen enthalten, können sich unterschiedlich verhalten, wenn sie verschiedene Gewichtungsmethoden verwenden. Die Methode entscheidet, welche Werte den Ausschlag geben. Deshalb ist die Gewichtung ein zentraler Punkt, wenn man Indizes vergleicht. Es reicht nicht, die Mitglieder zu kennen; man muss auch wissen, mit welchem Anteil sie eingehen. Erst beides zusammen erklärt, was ein Index misst.
Für den strukturellen Vergleich bedeutet das: Preis- und Kapitalgewichtung sind unterschiedliche Rechenkonventionen mit unterschiedlichen Eigenschaften. Keine ist per se richtig oder falsch. Sie beantworten verschiedene Fragen und eignen sich für verschiedene Zwecke. Wer diese Unterschiede kennt, kann Indizes sachlich einordnen, ohne die Methodik mit einer Bewertung des Marktes zu verwechseln.